Zeugnistag
Reinhard MeyVersion1
90
Chords in this song
Strum
D-DU-UDU
Ich denke, ich muss so zwoelf Jahre alt gewesen sein,
und wieder einmal war es Zeugnistag.
Nur diesmal, dacht' ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestuehl ein,
als meines weiss und haesslich vor mir lag.
Dabei war n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt,
ich war ein fauler Hund und obendrein
hoechst eigenwillig, doch trotzdem haette ich nie geglaubt
so ein totaler Versager zu sein, ein totaler Versager zu sein.
Strophe 2:
So, jetzt ist es passiert, dacht ich mir, jetzt ist alles aus,
nicht einmal eine Vier in Religion.
Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus,
sondern allenfalls zur Fremdenlegion.
Ich zeigt' es meinen Eltern nicht und unterschrieb fuer sie,
schoen bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu prahl'n.
Ich war vielleicht ne Niete in Deutsch und Biologie,
dafuer konnt ich schon immer ganz gut mal'n,
dafuer konnt ich schon immer ganz gut mal'n,
Strophe 3:
Der Zauber kam natuerlich schon am naechsten Morgen raus,
die Faelschung war wohl doch nicht so geschickt.
Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus,
so stand ich da, allein, stumm und geknickt.
Dann liess er meine Eltern kommen, lehnte sich zurueck,
voll Selbstgerechtigkeit genoss er schon
die Maulschellen fuer den Betrueger, das missrat ne Stueck,
diesen Urkundenfaelscher, ihren Sohn,
diesen Urkundenfaelscher, ihren Sohn.
Strophe 4:
Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an
und sagte ruhig: "Was mich anbetrifft,
so gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran,
das ist tatsaechlich meine Unterschrift."
Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug.
Gekritzelt zwar, doch muesse man verstehn,
da sie vorher zwei grosse, schwere Einkaufstaschen trug.
Dann sagte sie: "Komm, Junge, lass uns gehn."
........"Komm, Junge, lass uns gehn"
Strophe 5:
Ich hab noch manches lange Jahr auf Schulbaenken verlor'n
und lernte widerspruchslos vor mich hin,
Namen, Tabellen, Theorien - von hinten und von vorn,
dass ich dabei nicht ganz verbloedet bin!
Nur eine Lektion hat sich in den Jahr'n herausgesiebt,
die eine nur aus dem Haufen Ballast:
Wie gut es tut, zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt,
ganz gleich, was du auch ausgefressen hast,
ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!
Strophe 6:
Ich weiss nicht, ob es rechtens war, dass meine Eltern mich
da rausholten und - wo bleibt die Moral?
Die Schlauen diskutier'n, die Besserwisser streiten sich,
ich weiss es nicht, es ist mir auch egal.
Ich weiss nur eins, ich wuensche allen Kindern auf der Welt,
und nicht zuletzt natuerlich dir, mein Kind,
wenn's brenzlig wird, wenn's schiefgeht, wenn die Welt zusammenfaellt,
Eltern, die aus diesem Holze sind,
Eltern, die aus diesem Holz geschnitten sind
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Readable chord sheet for Zeugnistag by Reinhard Mey
[G]Ich denke, ich muss so[Bm] zwoelf Jahre[C] alt gewesen s[G]ein, [C]und wieder einm[D]al war es Zeugnist[G]ag. [G]Nur diesmal, dacht' ic[Bm]h, bricht das Schu[C]lhaus samt Dachgestuehl [G]ein, [C]als meines weiss u[D]nd haesslich vor mir l[G]ag. [D]Dabei war n mein[G]e Hoffnungen k[D]eineswegs hoch geschra[G]ubt, [A]ich war ein fauler Hund und ob[D]endrein [C]hoechst eigenwillig,[D] doch trotzdem [G]haette ich nie gegl[C]aubt [G]so ein totaler [D]Versager zu s[Em]ein, [G]ein totaler [D]Versager zu sei[G]n. Strophe 2: [G]So, jetzt ist es passiert, da[Bm]cht ich mir, [C]jetzt ist alle[G]s aus, [C]nicht einmal ei[D]ne Vier in Religio[G]n. [G]Oh Mann, mit diesem Ze[Bm]ugnis kommst du be[C]sser nicht nach H[G]aus, [C]sondern allenfalls[D] zur Fremdenleg[G]ion. [D]Ich zeigt' es meinen E[G]ltern nicht und [D]unterschrieb fuer si[G]e, [A]schoen bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu pra[D]hl'n. [C]Ich war vielleicht n[D]e Niete in Deut[G]sch und Bi[C]ologie, [G]dafuer konnt ich sch[D]on immer ganz gut ma[Em]l'n, [G]dafuer konnt ich sch[D]on immer ganz gut mal[G]'n, Strophe 3: [G]Der Zauber kam [Bm]natuerlich schon am n[C]aechsten Morge[G]n raus, [C]die Faelschung war[D] wohl doch nicht so geschi[G]ckt. [G]Der Rektor kam, holte [Bm]mich schnaubend au[C]s der Klasse ra[G]us, [C]so stand ich da, a[D]llein, stumm und gekn[G]ickt. [D]Dann liess er me[G]ine Eltern kom[D]men, lehnte sich zurue[G]ck, [A]voll Selbstgerechtigkeit genoss er s[D]chon [C]die Maulschellen fue[D]r den Betrueger[G], das missrat ne St[C]ueck, [G]diesen Urkundenf[D]aelscher, ihren So[Em]hn, [G]diesen Urkundenf[D]aelscher, ihren So[G]hn. Strophe 4: [G]Mein Vater nahm das Ze[Bm]ugnis in die [C]Hand und sah m[G]ich an [C]und sagte ruhig[D]: "Was mich anbetr[G]ifft, [G]so gibt es nicht die k[Bm]leinste Spur eines[C] Zweifels dar[G]an, [C]das ist tatsaechli[D]ch meine Unterschr[G]ift." [D]Auch meine Mutte[G]r sagte, ja, d[D]as sei ihr Namens[G]zug. [A]Gekritzelt zwar, doch muesse man ver[D]stehn, [C]da sie vorher zwei g[D]rosse, schwere [G]Einkaufstaschen tru[C]g. [G]Dann sagte sie: "K[D]omm, Junge, lass uns g[Em]ehn." [G]........"Ko[D]mm, Junge, lass uns g[G]ehn" Strophe 5: [G]Ich hab noch manches l[Bm]ange Jahr auf[C] Schulbaenken [G]verlor'n [C]und lernte widersp[D]ruchslos vor mich h[G]in, [G]Namen, Tabellen, [Bm]Theorien - v[C]on hinten und von vor[G]n, [C]dass ich dabei [D]nicht ganz verbloedet b[G]in! [D]Nur eine Lektion[G] hat sich in d[D]en Jahr'n herausgesieb[G]t, [A]die eine nur aus dem Haufen Balla[D]st: [C]Wie gut es tut, zu w[D]issen, dass dir[G] jemand Zuflucht gi[C]bt, [G]ganz gleich, was[D] du auch ausgefressen h[Em]ast, [G]ganz gleich, was du a[D]uch ausgefressen ha[G]st! Strophe 6: [G]Ich weiss nicht, ob es r[Bm]echtens war, [C]dass meine Eltern m[G]ich [C]da rausholten und [D]- wo bleibt die Mo[G]ral? [G]Die Schlauen diskutier[Bm]'n, die Besserwiss[C]er streiten s[G]ich, [C]ich weiss es nicht, [D]es ist mir auch [G]egal. [D]Ich weiss nur ei[G]ns, ich wuensche a[D]llen Kindern auf der W[G]elt, [A]und nicht zuletzt natuer[D]lich dir, mein Kind, [C]wenn's brenzlig wird[D], wenn's schief[G]geht, wenn die Welt[C] zusammenfaellt, [G]Eltern, d[D]ie aus diesem Holze s[Em]ind, [G]Eltern, d[D]ie aus diesem Holz geschnitten s[G]ind