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Ein Antrag Auf Erteilung Eines Antragsformulars

Reinhard Mey
Version1
90

Chords in this song

Strum
D-DU-UDU
Mein  Verhältnis zu Behörden war  nicht immer ungetrübt,
 Was allein  nur daran lag, daß man nicht  kann, was man  nicht  übt.
Heute  geh‘ ich weltmännisch auf allen  Ämtern ein und aus,
 Schließlich  bin ich auf den Dienstwegen  so gut wie  schon zu  Haus. F
 Seit dem Tag, an dem die Aktenhauptverwertungsstelle Nord
 Mich per  Einschreiben aufforderte: Schicken  Sie uns sofort
Einen  Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars,
 Zur Bestätigung  der Nichtigkeit des  Durchschriftexemplars,
 Dessen Gültigkeitsvermerk  von der Bezugsbehörde  stammt
Zum  Behuf  der Vorlage  beim  zuständ‘gen  Erteilungsamt.
Bis  zu jenem Tag wußt‘ ich nicht einmal,  daß es sowas gab,
 Doch wer  gibt das schon gern von sich zu,  so kramt‘ ich,  was ich  hab‘
An  Papier‘n und Dokumenten aus dem alten  Schuhkarton.
 Röntgenbild,  Freischwimmerzeugnis, Parkausweis  und Wäschebon.
 Damit ging  ich auf ein Amt, aus all‘ den Türen sucht‘ ich mir
 Die sympatischste  heraus und klopfte an:  „Tag, gibt‘s hier
Einen  Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars,
 Zur Bestätigung  der Nichtigkeit des  Durchschriftexemplars,
 Dessen Gültigkeitsvermerk  von der Bezugsbehörde  stammt
Zum  Behuf  der Vorlage  beim  zuständ‘gen  Erteilungsamt.“
 „Tja“, sagte der Herr am Schreibtisch, „alles,  was Sie wollen, nur
 ich bin hier  Vertretung, der Sachbearbeiter  ist zur Kur.
Allenfalls  könnte ich Ihnen, wenn Ihnen  das etwas nützt,
 Die Broschüre  überlassen, ,Wie  man sich vor Karies  schützt‘.
 Aber frag‘n  Sie mal den Pförtner, man sagt, der kennt sich hier aus.“
 Und das tat  ich dann „ach, bitte, wo bekommt  man hier im  Haus
Eine  Antragsformulierung, die die Nichtigkeit  erklärt.
 Für  die Vorlage der Gültigkeit,  nee halt! Das war  verkehrt.
 Dessen Gültigkeitsbehörde  im Erteilungszustand  liegt ...
Na  ja, Sie  wissen  schon,  so‘n Zettel,  wissen Sie, wo man  den kriegt?“
 „Da sind Sie hier ganz und gar verkehrt,  am besten ist, Sie geh’n
 Zum Verlegungsdienst  für den Bezirksbereich  Parkstraße  10.
In  die Abwertungsabteilung für den Formularausschuß.
 Bloß,  beeil‘n Se sich ein bißchen,  denn um zwei  Uhr ist  da Schluß.
 Dort bestell‘n  Se dann dem Pförtner einen schönen Gruß von mir,
 Und dann  kriegen Sie im zweiten Stock, rechts,  Zimmer 104
Einen  Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars,
 Zur Bestätigung  der Nichtigkeit des  Durchschriftexemplars,
 Dessen Gültigkeitsvermerk  von der Bezugsbehörde  stammt
Zum  Behuf  der Vorlage  beim  zuständ‘gen  Erteilungsamt.“
In  der Parkstraße 10 sagte mir der  Pförtner: „Ach, zu dumm,
 Die auf 104  stell‘n seit 2 Wochen auf Computer  um
Und  die Nebendienststelle, die sonst Härtefälle  betreut,
 Ist seit  elf Uhr zu, die feiern da ein Jubiläum  heut‘.
 Frau Schlibrowski  ist auf Urlaub, tja, da bleibt Ihnen wohl nur,
 Es im Neubau  zu probier‘n, vielleicht hat  da die Registratur
noch  ‘nen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars,
 Zur Bestätigung  der Nichtigkeit des  Durchschriftexemplars,
 Dessen Gültigkeitsvermerk  von der Bezugsbehörde  stammt
Zum  Behuf  der Vorlage  beim  zuständ‘gen  Erteilungsamt.“
Ich  klopfte, trat ein, und spürte rote  Punkte im Gesicht.
 Eine Frau  kochte grad‘ Kaffee, sie beachtete  mich nicht.
Dann  trank sie genüßlich schlürfend,  ich stand dumm lächelnd im Raum,
 Schließlich  putzte sie ausgiebig einen  fetten Gummibaum.
 Ich räusperte  mich noch einmal, doch dann schrie ich plötzlich schrill,
 Warf mich  trommelnd auf den Boden, und ich  röchelte:  „Ich will
Meinen  Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars
 Zur Bestätigung  der Nichtigkeit des  Durchschriftexemplars,
 Dessen Gültigkeit,  ach, wissen Sie,  Sie rost‘ge Gabel  Sie,
nageln  Sie  sich Ihr  Scheißformular  gefälligst  selbst vor‘s Knie.“
Schluchzend  robbt‘ ich aus der Tür,  blieb zuckend liegen, freundlich hob
 Mich der  Aktenbote auf seinen Aktenkarren  und schob
Mich  behutsam durch die Flure, spendete mir  Trost und Mut.
 „Wir zwei  roll‘n jetzt zum Betriebsarzt,  dann wird alles  wieder gut.
 Ich geb‘  nur schnell ‘nen Karton Vordrucke bei der Hauspost auf,
 Würden  Sie mal kurz aufstehen,Sie sitzen  nämlich  grade drauf. –
 Is‘n Posten alter Formulare, die geh‘n ans Oberverwaltungsamt zurück,
 Da soll‘n die jetzt eingestampft werden, das sind diese
völlig  überflüssigen Anträge  auf Erteilung eines Antragsformulars,
 Zur Bestätigung  der Nichtigkeit des  Durchschriftexemplars,
 Dessen Gültigkeitsvermerk  von der Bezugsbehörde  stammt
Zum  Behuf  der Vorlage  beim  zuständ‘gen  Erteilungsamt.“

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Readable chord sheet for Ein Antrag Auf Erteilung Eines Antragsformulars by Reinhard Mey

[C]Mein Verhältnis zu Behörden wa[F]r nicht immer ungetrübt,
Was alle[G]in nur daran lag, daß man [F]nicht kann, was [G]man nich[C]t übt.
[C]Heute geh‘ ich weltmännisch auf all[F]en Ämtern ein und aus,
Schlie&s[G]zlig;lich bin ich auf den Dienst[F]wegen so gut wie[G] schon z[C]u Haus.                                 F
Seit dem Tag, an dem die Aktenhauptverwertungsstelle Nord
Mich per[C] Einschreiben aufforderte: Schic[D]ken Sie uns sofo[G]rt

[C]Einen Antrag auf Erteilung eines Antrags[F]formulars,
Zur Best[G]ätigung der Nichtigkeit des[F] Durchschriftexe[G]mplars, [C]
Dessen G[C]ültigkeitsvermerk von der B[F]ezugsbehörd[G]e stammt
[F]Zum Behu[G]f der Vo[C]rlage be[F]im zust&[G]auml;nd‘gen Erteilungsam[C]t.

[C]Bis zu jenem Tag wußt‘ ich nicht e[F]inmal, daß es sowas gab,
Doch wer[G] gibt das schon gern von sich zu[F], so kramt‘ ich,[G] was ich[C] hab‘
[C]An Papier‘n und Dokumenten aus dem alten[F] Schuhkarton.
Rön[G]tgenbild, Freischwimmerzeugnis, [F]Parkausweis und [G]Wäs[C]chebon.
Damit gi[F]ng ich auf ein Amt, aus all‘ den Türen sucht‘ ich mir
Die symp[C]atischste heraus und klopfte an:[D] „Tag, gibt‘s hi[G]er
[C]Einen Antrag auf Erteilung eines Antrags[F]formulars,
Zur Best[G]ätigung der Nichtigkeit des[F] Durchschriftexe[G]mplars, [C]
Dessen G[C]ültigkeitsvermerk von der B[F]ezugsbehörd[G]e stammt
[F]Zum Behu[G]f der Vo[C]rlage be[F]im zust&[G]auml;nd‘gen Erteilungsam[C]t.“

[C] „Tja“, sagte der Herr am Schreibtisch, [F]„alles, was Sie wollen, nur
ich bin [G]hier Vertretung, der Sachbearbei[F]ter ist zur Kur.[G]        [C]
[C]Allenfalls könnte ich Ihnen, wenn I[F]hnen das etwas nützt,
Die Bros[G]chüre überlassen, ,Wie[F] man sich vor Ka[G]ries sch[C]ützt‘.
Aber fra[F]g‘n Sie mal den Pförtner, man sagt, der kennt sich hier aus.“
Und das [C]tat ich dann „ach, bitte, wo bek[D]ommt man hier im[G] Haus

[C]Eine Antragsformulierung, die die Nichti[F]gkeit erklärt.
Für[G] die Vorlage der Gültigkeit[F], nee halt! Das [G]war verk[C]ehrt.
Dessen G[C]ültigkeitsbehörde im E[F]rteilungszustand[G] liegt ...
[F]Na ja, S[G]ie wisse[C]n schon,[F] so‘n Ze[G]ttel, wissen Sie, wo man[C] den kriegt?“

[C] „Da sind Sie hier ganz und gar verkehrt[F], am besten ist, Sie geh’n
Zum Verl[G]egungsdienst für den Bezirk[F]sbereich Parkstr[G]aß[C]e 10.
[C]In die Abwertungsabteilung für den [F]Formularausschuß.
Blo&szli[G]g;, beeil‘n Se sich ein bi&szlig[F];chen, denn um z[G]wei Uhr [C]ist da Schluß.
Dort bes[F]tell‘n Se dann dem Pförtner einen schönen Gruß von mir,
Und dann[C] kriegen Sie im zweiten Stock, r[D]echts, Zimmer 10[G]4

[C]Einen Antrag auf Erteilung eines Antrags[F]formulars,
Zur Best[G]ätigung der Nichtigkeit des[F] Durchschriftexe[G]mplars, [C]
Dessen G[C]ültigkeitsvermerk von der B[F]ezugsbehörd[G]e stammt
[F]Zum Behu[G]f der Vo[C]rlage be[F]im zust&[G]auml;nd‘gen Erteilungsam[C]t.“

[C]In der Parkstraße 10 sagte mir der[F] Pförtner: „Ach, zu dumm,
Die auf [G]104 stell‘n seit 2 Wochen auf Co[F]mputer um       [G]               [C]
[C]Und die Nebendienststelle, die sonst H&a[F]uml;rtefälle betreut,
Ist seit[G] elf Uhr zu, die feiern da ein J[F]ubiläum heu[G]t‘.     [C]
Frau Sch[F]librowski ist auf Urlaub, tja, da bleibt Ihnen wohl nur,
Es im Ne[C]ubau zu probier‘n, vielleicht ha[D]t da die Registr[G]atur

[C]noch ‘nen Antrag auf Erteilung eines Ant[F]ragsformulars,
Zur Best[G]ätigung der Nichtigkeit des[F] Durchschriftexe[G]mplars, [C]
Dessen G[C]ültigkeitsvermerk von der B[F]ezugsbehörd[G]e stammt
[F]Zum Behu[G]f der Vo[C]rlage be[F]im zust&[G]auml;nd‘gen Erteilungsam[C]t.“

[C]Ich klopfte, trat ein, und spürte r[F]ote Punkte im Gesicht.
Eine Fra[G]u kochte grad‘ Kaffee, sie beach[F]tete mich nicht.[G]        [C]
[C]Dann trank sie genüßlich schl[F]ürfend, ich stand dumm lächelnd im Raum,
Schlie&s[G]zlig;lich putzte sie ausgiebig e[F]inen fetten Gumm[G]ibaum.  [C]
Ich r&au[F]ml;usperte mich noch einmal, doch dann schrie ich plötzlich schrill,
Warf mic[C]h trommelnd auf den Boden, und i[D]ch röchelte[G]: „Ich will

[C]Meinen Antrag auf Erteilung eines Antrag[F]sformulars
Zur Best[G]ätigung der Nichtigkeit des[F] Durchschriftexe[G]mplars, [C]
Dessen G[C]ültigkeit, ach, wissen Sie,[F] Sie rost‘ge Gab[G]el Sie,
[F]nageln S[G]ie sich [C]Ihr Sche[F]iß[G]formular gefälligst[C] selbst vor‘s Knie.“

[C]Schluchzend robbt‘ ich aus der Tür,[F] blieb zuckend liegen, freundlich hob
Mich der[G] Aktenbote auf seinen Aktenkarre[F]n und schob     [G]             [C]
[C]Mich behutsam durch die Flure, spendete [F]mir Trost und Mut.
„Wir zwe[G]i roll‘n jetzt zum Betriebsarzt,[F] dann wird alles[G] wieder [C]gut.
Ich geb‘[F] nur schnell ‘nen Karton Vordrucke bei der Hauspost auf,
Wür[C]den Sie mal kurz aufstehen,Sie s[D]itzen nämli[G]ch grade drauf. –

Is‘n Posten alter Formulare, die geh‘n ans Oberverwaltungsamt zurück,

Da soll‘n die jetzt eingestampft werden, das sind diese

[C]völlig überflüssigen Antr[F]äge auf Erteilung eines Antragsformulars,
Zur Best[G]ätigung der Nichtigkeit des[F] Durchschriftexe[G]mplars, [C]
Dessen G[C]ültigkeitsvermerk von der B[F]ezugsbehörd[G]e stammt
[F]Zum Behu[G]f der Vo[C]rlage be[F]im zust&[G]auml;nd‘gen Erteilungsam[C]t.“

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